In 2010 wurde in Grossbritannien der weltweit erste Social Impact Bond (SIB) und damit ein neuartiges, innovatives Finanzierungsinstrument lanciert.
Dieser pay for success-Kontrakt hat sogleich für hohe mediale Aufmerksamkeit gesorgt. Bislang wurden SIBs vor allem im angelsächsischen Raum aufgelegt. Ende 2014 hat das Sozialamt des Kantons Bern den ersten SIB in der Schweiz ausgeschrieben. In dieser Publikation werden zentrale Fragen zum SIB beantwortet: Was ist ein Social Impact Bond.
Was ist ein Social Impact Bond?
Social Impact Bonds binden private Investoren in soziale Präventionsprogramme ein und schütten dabei nur eine Rendite aus, wenn die vordefinierten Ziele erreicht werden. Der Staat als Auftraggeber zahlt den Investoren ihr Kapital nur bei Zielerreichung zurück.
Social Impact Bonds monetisieren die Vorteile sozialer Interventionen und binden die Auszahlung an Performance. Gleichzeitig wird die Kontrolle
des Staates über die Programme limitiert. Die gewonnene Flexibilität erlaubt mehr Spielraum unter anderem für die Umsetzung neuer und innovativer Massnahmen.
Wo und wie wird ein Social Impact Bond eingesetzt?
Grundvoraussetzung für einen SIB ist die Annahme, dass ein Dienstleistungsanbieter mittels einer Intervention mehr Staatsausgaben sparen kann als
die Intervention Kosten verursacht. Gegeben dieser Grundvoraussetzung ist der Anwendungsbereich sehr offen. Bisher wurden vor allem Projekte in
den Bereichen Jugendarbeitslosigkeit, frühkindliche Schulförderung, Resozialisierungsprogramme und Betreuung und Integration von Obdachlosen und
Bedürftigen realisiert.
Ein SIB wird als vertragliche Partnerschaft zwischen einem Auftragsgeber (zumeist Staat), einem koordinierenden Intermediär, einem oder mehreren Investoren (privat und institutionell) sowie einem ausführenden Dienstleister (meist in Form einer Nonprofit Organisation) eingesetzt.
Wie wird der Erfolg eines Social Impact Bonds beurteilt?
Die Festlegung robuster und transparenter Wirkungsindikatoren ist anspruchsvoll. Beispielsweise kann anhand von Kontrollgruppen festgestellt werden, ob die intendierte Veränderung bei der Zielgruppe tatsächlich mit Hilfe des SIB realisiert werden konnte.
Um eine unabhängige Einschätzung des Projekterfolgs zu garantieren werden externe Gutachter eingesetzt.
Was sind die aktuellen Herausforderungen und Entwicklungen rundum Social Impact Bonds?
Die bisher realisierten SIB-Projekte haben noch nicht das Ende ihrer Laufzeit erreicht. Erste Resultate werden wegweisend für die Zukunft dieser Anlageform sein.
Grundsätzliche Herausforderungen sind derzeit der stärkere Einbezug des privaten Sektors als Auftraggeber und Investor, der besseren Verteilung der involvierten finanziellen Risiken, die Realisierung von grösseren Skalen sowie die Schärfung des Bewusstseins über die Funktionsweise dieses Instrumentes.
Kritiker beklagen die Privatisierung von staatlichen Aufgaben und die Renditeerwirtschaftung von privaten und institutionellen Investoren auf Kosten von Freiwilligen.
Quelle: CEPS Forschung und Praxis – Band 13
Das Center for Philanthropy Studies (CEPS) ist ein Institut der Universität Basel, das auf Initiative von SwissFoundations gegründet worden ist. Folgende Organisationen tragen zur Grundfinanzierung bei:
Age Stiftung, AVINA STIFTUNG, Christoph Merian Stiftung, Ernst Göhner Stiftung, Gebert Rüf Stiftung, Ria und Arthur Dietschweiler Stiftung, Sophie und Karl Binding Stiftung, Stiftung Mercator Schweiz, UBS Stiftung für Ausbildung und Soziales.